Langzeitevaluation der Kasseler Stottertherapie für Erwachsene

An der Universität Kassel wird seit Mitte 1996 eine zehnjährige Evaluationsstudie mit der Kasseler Stottertherapie durchgeführt. Seit 2000 wird sie ergänzt durch begleitende Hirnforschung in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit der Universität Frankfurt. Verantwortlich für die Therapie und Datengewinnung ist A. Wolff von Gudenberg, unabhängiger wissenschaftlicher Betreuer ist H. A. Euler. Federführend bei den Hirnforschungsprojekten ist Frau Prof. Neumann, Direktorin der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie in der Universitätsklinik Frankfurt/Main.

Zusammenfassung

Die Kasseler Stottertherapie ist eine computerisierte Biofeedbacktherapie zur Behandlung stotternder Jugendlicher und Erwachsener. Effektivität und Effizienz dieser sprechmotorischen Therapie werden hier aufgrund von Langzeitergebnissen über drei Jahre dargelegt. Voraussichtlich 2009 werden auch die Zehnjahresdaten vorliegen. Die Daten erfüllen in Qualität, Quantität und Erhebungszeitraum und durch Einbeziehung einer Wartekontrollgruppe die statistischen und inhaltlichen Anforderungen, die in der amerikanischen Therapieforschung an eine wissenschaftliche Evaluationsstudie einer Stottertherapie gestellt werden. Bisher haben ca. 1000 Klienten das Intensivprogramm abgeschlossen (Stand Sommer 2008). Um einen möglichst vollständig Datensatz zu haben und auch einen langen Zeitraum betrachten zu können, werden die ersten 14 Therapiegruppen untersucht (1996 bis 1999).

Von 68 Klienten liegen Einjahresdaten, von 65 Klienten Zweijahresdaten und von 50 Patienten Dreijahresdaten vor. (Es werden weitere Daten ausgewertet und die Statistik aktualisiert.) Zu 5 verschiedenen Behandlungszeitpunkten (vor und nach Intensivkurs, 1 Jahr, 3 und bald 10 Jahre später) werden dabei die Sprechunflüssigkeit in 4 alltagsrelevanten Sprechsituationen ausgezählt und die Selbstbeurteilung des Sprechverhaltens mit Fragebogen erfasst. Der partielle Rückfall einiger Klienten im ersten Halbjahr nach dem Intensivkurs setzte sich in der Folgezeit der nächste drei Jahre nicht fort. Im Untersuchungszeitraum verbesserte sich auch die Selbstbeurteilung des Sprechverhaltens deutlich und parallel zum Rückgang der objektiven Unflüssigkeiten.

Es gibt begründete Hoffnung, mit dieser Therapie die hohe Rückfallrate der gängigen Stottertherapien zu mindern.

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