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Auch auf dem Gebiet der Grundlagenforschung ist die Kasseler Stottertherapie bei verschiedenen Studien in Zusammenarbeit mit der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt, der Abteilung für Psychologie der Universität Kassel sowie der Abteilung für Klinische Neurophysiologie, Georg-August Universität Göttingen aktiv. - Erstes Ziel war es, die Unterschiede der Hirnorganisation zwischen Redeflussgestörten und Normalsprechern besser zu verstehen.
- Mit einer kontrollierten Studie wurde die Hirnaktivität von Stotternden und deren posttherapeutischer Änderung bei Teilnehmern der Kasseler Stottertherapie mittels funktioneller Kernspintomographie dargestellt. Aus den nachgewiesenen neuronalen Auswirkungen entstand die Läsions-Kompensationstheorie, wonach das Gehirn seine Schwäche in den Zentren in der linken Hirnhälfte kompensiert (Neumann, Wortstau im Gehirn in Gehirn& Geist 1-2/2005).
- In einer weiteren Studie wurde anhand der Hirnaktivitätsmuster von Menschen, bei denen sich das Stottern in der Kindheit und Jugend zurückgebildet hat, untersucht, wie eine wirksame und lebenslange Kompensation funktioniert.
- Die Arbeitsgruppe der Universitätsklinik Göttingen hat an KST-Patienten untersucht,
a) ob sich feinstrukturelle Auffälligkeiten der Verbindungsbahnen zwischen verschiedenen Hirnarealen bei Stotterern finden. b) Darüber hinaus wurde mittels transkranieller Magnetstimulation geprüft, ob sich die Erregbarkeit der Hirngebiete, die für die Handbewegungen zuständig sind, und ihre sprachbezogene Aktivierung bei Stotterern von der Gesunder unterscheidet. c) Schließlich wurde untersucht, ob sich eine Beeinflussung der Erregbarkeit dieser Hirngebiete durch transkranielle Magnetstimulation oder schwache transkranielle Gleichstromstimulation auf die Stotterschwere auswirkt.
Die Studien wurden vorgestellt - in: Right-shift for non-speech motor processing in adults who stutter. Cortex. 2010 Jun 30. [Epub ahead of print]
Lesen Sie den vollständigen Artikel: Download als PDF-Datei. - in: Neuroimaging and stuttering. In: Guitar, B. & McCauley, R. (Eds.), Treatment of stuttering: established and emerging interventions (pp. 355-402). Baltimore 2010, MD: Lippincott, Williams, & Wilkins.
- in: How the brain repairs stuttering. Brain, 2009, 132, 2747-2760.
Lesen Sie den vollständigen Artikel: Download als PDF-Datei. - in: Severity of dysfluency correlates with basal ganglia activity in persistent developmental stuttering. Brain and Language 104/2 (2008) 190-199
Lesen Sie den vollständigen Artikel: Download als PDF-Datei. - in: Normal interhemispheric inhibition in persistent developmental stuttering. Convention on Movement Disorders, Istanbul/Türkei.
Lesen Sie den englisch-sprachigen Abstract der Studienergebnisse: Download als PDF-Datei. Lesen Sie das englisch-sprachige Poster mit der Zusammenfassung der Studienergebnisse: Download als PPT-Datei. - in: Some aspects of speech and the brain. Brain and Speech, Peter Lang Verlag, 2008.
- in: Stottern im Gehirn: neue Erkenntnisse aus Humangenetik und Neurowissenschaften. Forum Logopädie Heft 2 (21) März 2007, 6-13.
- in: Stottern - Wortstau im Gehirn. Gehirn&Geist, 1-2/05, Seite 30ff, Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
Lesen Sie den vollständigen Artikel: Download als PDF-Datei. - in: Cortical plasticity associated with stuttering therapy. Journal of Fluency Disorders 30 (2005) 23–39.
- in: Evidence for compensation for stuttering by the right frontal operculum. NeuroImage 20 (2003) 1356-1364.
- in: The nature and treatment of stuttering as revealed by fMRI. A within- and between-group comparison. Journal of Fluency Disorders 28 (2003) 381-410.
- in: Event-related fMRI for the suppression of speech-associated artifacts in stuttering. NeuroImage 19 (2003) 1076-1084.
- in: A Within- and Between-Subject FMRI Experiment Before and After a Fluency Shaping Therapy. Proceedings of the 4th World Congress on Fluency Disorders.
- auf der 2002 ASHA Convention in Atlanta: Dysfunction of the Right Frontal Operculum in Stuttering.
- auf der 2001 ASHA Convention in New Orleans: Fluency Disorders: Neurological and Physiological Issues
- auf der XVIII. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP) und der XXII. Konferenz der Union Europäischer Phoniater (UEP) vom 27.- 31. September 2001 in Frankfurt/Main
Was bedeutet funktionelle Kernspintomographie?
Die funktionelle Kernspintomographie ist eine Untersuchungstechnik, die es ermöglicht, aktivierte Hirnregionen bildlich darzustellen. Dazu werden Schichtaufnahmen des Kopfes mit dem herkömmlichen Verfahren der Magnetresonanztomographie gewonnen. Dieses Verfahren mißt die Änderung des Spins (Drehrichtung) von Wasserstoffatomen, die in einem starken Magnetfeld durch Radiowellen abgelenkt werden. Das Verfahren ist völlig unschädlich. Es benutzt keine Röntgenstrahlen.
Die fMRT basiert auf dem Umstand, daß sauerstoffbeladenes Blut andere magnetische Eigenschaften aufweist als sauerstoffarmes Blut. Infolge einer Aktivierung in einer umschriebenen Hirnregion wird dieses Gebiet kurzzeitig stärker durchblutet und dadurch stärker mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Das ist als sogenannter bold (blood oxygenation level dependent) - Effekt bildlich nachweisbar, indem eine Differenzbildung aus einer Darstellung eines Grundzustandes und des aktivierten Zustandes gewonnen wird und mittels einer Korrelationsanalyse statistisch ausgewertet wird. Die statistisch signifikanten Bildpunkte werden dann der anatomischen Darstellung überlagert.
Diese neue Technik der funktionellen Bildgebung macht man sich bei der Untersuchung von Phänomenen wie denen des Hörens, der Sprache des Sehens oder muskulärer Aktivität zunutze. Üblicherweise wird dazu eine Aufgabe gestellt und die damit verbundene Hirnaktivierung dargestellt.
Aus anderen funktionellen Untersuchungen der Hirnaktivität, z.B. mit den Mitteln der Positronenemissionstherapie ist bekannt, daß beim Stottern eine Abschwächung der Lateralität, d.h. der Hemisphärenteilung für Sprachprozesse, ausgedehnte Mehraktivierungen im Bereich der motorischen Systeme und eine diffusere Hirnaktivität auch in sonst nicht oder kaum in Sprachverarbeitung einbezogener Regionen auftreten können. Durch Induktion von Sprachflüssigkeit sind diese Auffälligkeiten in der Hirnaktivierung rückläufig. Diese Phänomene könnten mit dem fMRT wesentlich genauer untersucht werden.
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