Elternratgeber

In der Regel beginnt das Stottern zwischen dem 3. und dem 6. Lebensjahr. Etwa 5 % aller Kinder in diesem Alter haben in ihrer Sprachentwicklung eine Phase, in der sie stottern. Aber nur bei 1 % aller Kinder bleibt das Stottern dauerhaft bestehen. Eine klare Differenzierung der Unflüssigkeiten des Kindes, hinsichtlich funktioneller oder stottertypischer Unflüssigkeiten, ist meist nicht möglich. So ist die Notwendigkeit einer Therapie zu diesem Zeitpunkt häufig noch gering. Meist ist eine gute Elternberatung bei einem auf Stottern spezialisierten Sprachtherapeuten, der Unsicherheiten im Umgang klärt und Hilfestellungen für die richtige Unterstützung des Kindes bietet, zunächst ausreichend. Ab wann eine Therapie begonnen werden sollte, ist vom Schweregrad der SymptomatikSymptomatik: Hierunter versteht man die Gesamtheit der kennzeichnenden Merkmale des Stotterns. Es wird zwischen Primärsymptomen (Kernsymptomen) und Sekundärsymptomen (Begleitsymptomen) unterschieden., vor allem aber vom Leidensdruck von Kind und Eltern abhängig.

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Tipps für den Alltag

Sind erste Anzeichen von Unflüssigkeiten zu erkennen, haben auch Eltern die Möglichkeit durch gezielte Verhaltensweisen den Verlauf zu begünstigen.

Der folgende Ratgeber soll Sie durch konkrete Tipps im Umgang mit dem Stottern und Ihrem Kind unterstützen.

1Schaffen Sie Sprechsituationen ohne Druck

Stellen Sie eine offene Sprechsituation (z. B. beim gemeinsamen Spiel) her, in der Ihr Kind entscheiden kann, ob es etwas sagen will oder nicht. Fordern Sie Ihr Kind nicht zum Sprechen auf. Überlassen Sie es ihrem Kind, wann es mit wem sprechen will. Reagieren Sie nur auf das „Was“, nicht darauf „wie“ Ihr Kind etwas sagt. Unterbrechen Sie Ihr Kind nicht. Ermutigen Sie es in seiner Sprechfreude.

2Schenken Sie Ihrem Kind Zeit

Versuchen Sie Ihrem Kind jeden Tag wenigstens einige Minuten Ihrer ungeteilten Aufmerksamkeit zu schenken, so dass Ihr Kind spürt, dass Sie ihm geduldig und aufmerksam zuhören.

3VermeidenVermeiden: Durch negative Erfahrungen und sprecherische Misserfolge bauen Stotternde häufig Vermeidestrategien auf. So lassen sie oft andere für sich sprechen, vermeiden Situationen und tauschen Wörter und Sätze, um sich dem Stottern zu entziehen. Sie Zeitdruck

Versuchen Sie Ihrem Kind Zeit für seine Äußerungen einzuräumen. Das ist im Alltag nicht immer leicht. Sollten Sie wirklich einmal keine Zeit haben, sagen Sie dies Ihrem Kind und versichern Sie ihm, dass Sie sich später die Zeit nehmen werden. Dieses Versprechen muss dann natürlich auch eingehalten werden!

4Sprechen Sie mit Ihrem Kind über das Stottern

Wenn Sie merken, dass Ihr Kind das eigene Stottern wahrzunehmen beginnt, sich darüber ärgert oder traurig ist, sollten Sie mit Ihrem Kind offen über das Stottern sprechen. Vermitteln Sie ihm, dass es in Ordnung ist zu stottern, damit es für das Kind nicht zu einem peinlichen Tabuthema wird

5Informieren Sie Verwandte, Erzieher und Freunde

Informieren Sie die Personen, mit denen Ihr Kind viel Kontakt hat, über das Stottern. Erklären Sie ihnen, welche Verhaltensweisen Ihrem Kind am meisten helfen. Sie selbst kennen Ihr Kind am besten und können beurteilen, was ihm das Sprechen erleichtert.

 

Quelle: Lutz, C. et al. (2010): Skript für die Eltern. In: Lutz, C. (2008): "Hamburger Workshop für Eltern stotternder Kinder (HAWESK)". Ein Gruppenkonzept zur Änderung der elterlichen Einstellung zum Stottern ihrer Kinder. München: GRIN Verlag GmbH.

 
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