Erfahrungsberichte von Klienten der Kasseler Stottertherapie

Alle Berichte und Urteile von Klienten der Kasseler Stottertherapie werden mit freundlicher Genehmigung der Autoren wiedergegeben. Vielen Dank.

 

Karin Hoffmann, 2010

» Mein Weg zum flüssigeren Sprechen

Im März 2009 hörte ich einen Vortrag über die KST. Von da an war ich so überzeugt, daß ich mich im November 2009 zum Infotag aufmachte und mich zum Intensivkurs im Juni 2010 anmeldete. In diesem Kurs wurden mir die Symptome meines Stotterns bewußt. Diese waren: Aufregung, Kopfnicken und Kurzatmigkeit. Außerdem hatte ich Angst vorm telefonieren und Leute anzusprechen. Während der beiden Wochen im Habichtshof wurde das alles sehr erfolgreich behandelt. Schrittweise brachten uns die Therapeuten Achim und Julian eine weiche und gebundene Sprechweise bei. Vorträge vor der Gruppe, Sprechübungen in der Gruppe, Transfere in der Stadt und am Telefon machten mich sicherer und meine Symptome wurden langsam weniger. Es war bei jedem Treffen interessant zu sehen, wie sich jeder Einzelne aus der Gruppe entwickelt hat. Wir trafen uns nach 5 Wochen zum Nachbereitungskurs, nach 5 Monaten zum 1. Refresher und nach 10 Monaten zum 2. Refresher dort wieder. Das Schöne, aber auch sehr Hilfreiche an dieser Therapie ist, das es möglich ist, immer wieder auch nach dieser Nachsorgephase zu Stabilisierungstagen die KST zu besuchen. Bei Problemen in verschiedenen Situationen können die Therapeuten via Facebook, E-mail etc. gefragt oder gegebenenfalls per Telefon oder Skype angerufen werden. Das Computerprogramm FLUNATIC dient zur Unterstützung und Stabilisierung des flüssigeren Sprechens. FLUNATIC übe ich täglich 20 - 30 Minuten und mache regelmäßige Leseübungen und Transfers. Ich empfehle die Therapie jedem Stotternden.

 

Christoph Beutekamp, 2004

» Ich habe die Kasseler Stottertherapie im Februar 1998 auf dem Dörnberg absolviert. Damals war ich 18 Jahre alt und habe stark gestottert. Vor der Intensivtherapie der KST habe ich mehrere Logopädische Behandlungen bekommen, die aber nur einen sehr kurzen Zeitraum halfen. Ich konnte sehr schlecht telefonieren und mich nicht mehr ordentlich unterhalten. Da habe ich mich dazu entschlossen, die KST zu besuchen. Schon am Infotag im Dezember haben mich die Klienten des aktuellen Intensivkurses vom Erfolg der KST überzeugt. Besonders gefallen, hat mir die Unterstützung des Computerprogramms. Ich habe noch mit Dr. Fluency geübt, bis dann Speak Gentle entwickelt wurde.
Alle Teilnehmer der Gruppe 5 waren sehr nett und wir haben uns alle gut verstanden. In der ersten Woche haben wir mit der Stoppuhr die 2-Sekunden Silbendehnung mit Stabilisierung und die Zwerchfellatmung geübt und haben jeden Buchstaben einzeln neu gelernt, zu bilden und zu sprechen. Die Übungen haben sehr viel Spaß gemacht und wir konnten alle reden, ohne zu stottern. Abends haben wir es uns gemütlich gemacht und über div. Themen gesprochen, die uns beschäftigten. Es wurden Freundschaften aufgebaut, die bis heute erhalten geblieben sind. In der Gruppe haben wir uns immer gegenseitig unterstützt und uns motiviert, in Technik zu sprechen. In der zweiten Woche haben wir dann die Silbenbindung und die weiche Stimmführung geübt bis zur 1 Sekunden Silbendehnung. Im Speisesaal des Dörnbergs haben wir Vorträge vor Gruppen gehalten. Die Gruppen waren von unseren Vorträgen sehr begeistert. In der dritten Woche haben wir dann unsere neu erlernte Sprechweise im Transfer umgesetzt. Wir haben wildfremde Menschen angesprochen und es hat funktioniert, ohne zu stottern. Dies hatten wir alles der Therapie zu verdanken. Am Ende der dritten Woche haben wir am Infotag einen Vortrag vor unseren Angehörigen und Freunden gehalten.
Nach der Intensivtherapie habe ich zu Hause am PC geübt und ständig mit der erlernten Sprechweise gesprochen. Ob an der Arbeit, unter Freunden oder am Telefon, ich habe immer in Sprechtechnik gesprochen. Nach drei Monaten hatten wir unseren ersten Refresher. Es war sehr schön alle wieder zu sehen und die Erfahrungen der anderen zu hören.
Im Laufe der Zeit haben immer mehr Klienten aus Kassel und Umgebung die Kasseler Stottertherapie absolviert. In 2000 habe ich die Kasseler Übungsgruppe gebildet. Seither treffen wir uns einmal im Monat im Institut der Kasseler Stottertherapie und üben. Es wird von allen Teilnehmern sehr gut angenommen.
Meiner Meinung nach ist die Kasseler Stottertherapie die beste und erfolgreichste Stottertherapie in Deutschland. Die KST wird seit Beginn von der UNI-Kassel als Studie begleitet. Die Studienergebnisse bestätigen die hervorragenden Langzeiterfolge der KST. «

 

Anna Brück, 2004

» Stottern läßt sich nicht heilen, aber man kann es besser in den Griff bekommen. Davon bin ich ausgegangen, als ich die Intensivtherapie in Kassel gemacht habe. Dass es so anstrengend würde, hätte ich nicht gedacht, aber auch nicht, daß es wirklich wirkt.
Da man sich zumindest in den ersten beiden Woche der Therapie auch von seinen flüssigen Anteilen verabschieden muß und ein stark verlangsamtes, künstlich klingendes Sprechen antrainiert wird, scheint zunächst einmal jede Kommunikation gehemmt und erst am Ende der drei Wochen wird einem der Sinn dieser Prozedur allmählich klar. Die Einsicht, daß eine Verlangsamung des Sprechtempos tatsächlich etwas bringt, aber nicht einfach nur langsameres Sprechen bedeutet, und immer wieder mit eiserner Disziplin geübt werden muß, wurde mir erst nach längerer Anwendung der Technik bewußt. Zu oft klingen uns Stotterern die sicherlich gut gemeinten, aber völlig nutzlosen Kommentare unserer wohlwollenden Gesprächspartner im Ohr, wie "ganz ruhig" oder "immer schön langsam", die aber bei einem richtigen Block auch nicht weiterhelfen. So habe ich also gelernt, durch eine gefühlte Sprechweise meine Redeflüssigkeit zu erhöhen. Aber dieser Effekt ist leider nicht anhaltend, wenn man nicht immer wieder zu Hause übt, denn die alten Sprechmuster sind so stark, daß sie sich sofort wieder einschleichen, und meistens in Situationen, wo ich sie am wenigsten gebrauchen kann. Es bringt überhaupt nichts, wenn ich die Technik nur dann anwende, wenn ich denke, daß ich sie in einer schwierigen Situation nötig habe, ich muß sie immer wieder auch im vertrauten Kreis mit Freunden üben. Und ich muß das ungute Gefühl loswerden, künstlich und fremd zu klingen, weil mir mein altes Stottern doch so viel vertrauter ist. Höre ich meine Stimme in Technik auf Tonband, klingt es gar nicht so dämlich, wie ich immer denke, während ich spreche. Die meisten Gesprächspartner versichern mir, daß sie es viel angenehmer finden als meine schnellere, aber mit Stottern durchsetzte Sprechweise.
Leider halte ich aber für unrealistisch, daß der normale Alltag immer Raum für Langsamkeit bietet. Es gibt immer emotionsgeladene, oder stressige Gesprächssituationen, in denen es schnell gehen muß: Hier ist es dann vorbei mit der Konzentration auf jegliche Sprechtechniken. So kann ich jedem einfach nur raten, sich auf eine Therapie in Kassel einzulassen, denn gewinnen wird man dabei auf jeden Fall. Es tut auch gut, immer wieder dorthin zurückzukommen zu einem Auffrischungskurs, Leute mit dem gleichen Problem zu treffen und sich gegenseitig zu stärken. Jedoch muß man für den Intensivkurs viel Energie mitbringen, denn die Zeit ist total anstrengend aber in jeder Hinsicht ein intensives Erlebnis.
Ich hatte mich damals vor allem aus beruflichen Gründen entschlossen, noch einmal eine Therapie anzugehen. Ich bin - für einen Stotterer gewiß ungewöhnlich - Lehrerin an einem Gymnasium und unterrichte unter anderem auch Spanisch.
Gerade in einer Fremdsprache ist das Stottern oft besonders lästig. Oft kommt es darauf an, ein Wort "auf den Punkt zu sprechen", also genau betont auszusprechen, oder auf Vokabelfragen spontan und schnell zu antworten. Das Sprechen in der Fremdsprache erfordert eine zusätzliche Konzentrationsleistung, was oft schwer mit dem Einsatz der Sprechtechnik zu vereinbaren ist. Das kann ich an einer deutlichen "Tageskurve" festmachen, wobei die Häufigkeit meines Stotterns deutlich zu den späteren Stunden des Schultages hin zunimmt und ich das Konzentrieren auf die Technik als zusätzliche Belastung empfinde, obwohl es doch nicht so sein sollte. Dann macht sich das Bedürfnis breit, einfach spontan zu sprechen. Meine Schüler akzeptieren mich mit und ohne Stottern, obwohl ich ihnen hoch anrechne, daß auch sie durch mein Stottern eine zusätzliche Konzentrationsleistung erbringen müssen. Ich hatte lange Angst davor, mir meinen Berufswunsch, Lehrerin zu werden, zu erfüllen, und habe zuerst als Kinderkrankenschwester gearbeitet. Schließlich habe ich es aber doch gewagt und die Entscheidung nicht bereut. Ich glaube, daß ich durch meine sprachliche Schwäche auch authentisch wirke und den Jugendlichen zeigen kann, daß man sich nicht unterkriegen lassen sollte, obwohl ich immer auch das Gefühl hatte, noch mehr Leistung bringen zu müssen, um mein "Handicap" auszubügeln. Auch gibt es für mich wie für jeden Betroffenen immer wieder Zeiten, in denen das Thema Stottern mal mehr und mal weniger eine Belastung darstellt, um so besser ist es, wenn man auf eine Technik zurückgreifen kann, um die Hilflosigkeit anzugehen.
Dies alles ist nur möglich in einer Intensivtherapie, die durch eine ambulante Therapie nie ersetzt werden kann und durch ein umfassendes Nachsorgeprogramm, was die Gefahr eines ernsthaften Rückfalls vermeidet. «

 

Christoph D., 2004

» Mein dreiwöchiger Kurs war im April 2003. Vor der Therapie konnte ich überhaupt nicht telefonieren. Meine Stotterblockaden waren so groß, das ich mich am Telefon nicht melden konnte - so kam auch kein Gespräch zu Stande. Seit meinem Kurs ist mein größtes Hobby das Telefonieren, denn es klappt einfach super. Ich kann jederzeit alles sagen was ich will, und ich habe unendlich viel an Lebensqualität gewonnen.
Das war nicht meine erste Stotter-Therapie. Ich habe vier ambulante Therapien bei Logopäden gemacht. Ich finde, das Hautproblem liegt darin, dass ein oder zweimal eine Stunde Stotter-Therapie pro Woche zu wenig ist. Man verlässt die Logopädische Praxis und ist sofort wieder im Alltag. Man hat Schwierigkeiten, das Gelernte zu üben und umzusetzen.
Darin liegt gerade der Vorteil der KST. Man beschäftigt sich 3 Wochen den ganzen Tag mit seinem Sprechen. Auch abends, kann man im Gespräch mit den anderen Therapieteilnehmern seine neu erlernte Sprechweise üben und verinnerlichen. Es ist einem nicht peinlich diese anfangs sehr auffällige Sprechweise anzuwenden, weil man ja die ganze Zeit unter Gleichgesinnten ist.
Und da gerade dieses ständige Anwenden der Technik insbesondere am Anfang so wichtig ist, ist für mich der stationäre Aufenthalt unersetzbar.
Wenn ich überlege wie viele Jahre ich vergebens zum Logopäden gegangen bin, hätte man das Geld für die unzähligen Sitzungen auch gleich besser investieren können.
Hätte ich gleich als Jugendlicher den KST-Kurs gemacht, hätte ich damit der Krankenkasse viel Geld und mir viele Sorgen und Niederlagen gespart.
Ein weiterer Grund, warum ich mich so sicher mit meinem Sprechen fühle, ist die Gewissheit, dass, wenn ich mal Schwierigkeiten bekomme jederzeit an einem Auffrischungskurs teilnehmen kann. Das geht total unkompliziert und auch in kürzester Zeit. Zur Not geben sie uns die Möglichkeit in einen gerade laufenden Kurs ein paar Tage einzuspringen.
Meiner Meinung nach ist die KST die einzige sinnvolle und hilfreiche Therapieform gegen das Stottern. Zwei Jahre vorher habe ich schon eine stationäre Therapie gemacht - ein Therapieansatz auf dem zwei Wochen sinnlos und unstrukturiert herumgeritten wurde. Als ich zur KST kam war ich überrascht wie genau geplant und strukturiert die ganze Therapie aufgebaut ist. Gleich mehrer Ansätze, die alle zusammen ein unschlagbares Rezept gegen das Stottern ergeben. «

 

Lutz Gräfe, 2004

» Meine Sprachstörung begleitet mich schon seit dem Vorschulalter. Nach dem Besuch von Sprachheilschulen (sieben Jahre) und ambulanter logopädischer Betreuung über einen Zeitraum von ca. 20 Jahren stellte sich für mich nicht der gewünschte Erfolg ein.
Nachdem ich mich schon mit meinen sprachlichen Problemen abgefunden hatte, nahm ich dann nach 45 Lebensjahren an einem dreiwöchigen Intensivkurs der "Kasseler Stottertherapie" teil.
Dieser Intensivkurs zeigte mir erstmals, dass eine entscheidende Verbesserung der Sprechflüssigkeit möglich ist. Innerhalb von drei Wochen kann jeder Stotterer eine Sprechtechnik erlernen, die es ihm ermöglicht, das Sprechen in bewusst gefühlter Art und Weise deutlich flüssiger sowie optisch und akustisch angenehmer zu gestalten. Der Beweis ist mit vielen Ton - und Bildaufnahmen am Anfang und zum Abschluss der Intensivtherapie eindeutig erbracht. Diese Leistung, in einem Zeitraum von 21 Tagen eine völlig neue Sprechweise in Theorie und Praxis zu begreifen und anwenden zu können, ist für mich nicht zu übertreffen. Diese positive persönliche Erfahrung hat jeder Klient auch in seinem Umfeld bestätigt bekommen. Besonders sinnvoll ist auch die Nutzung eines Computerprogramms, welches den Übungsprozess aktiv unterstützt.
Sicher besteht für jeden Stotterer die Schwierigkeit, den nach drei Wochen erreichten Stand zu stabilisieren und die bisher ungewohnte Sprechtechnik für sich selbst anzuerkennen und einzusetzen. Dieser Prozess ist von vielen individuellen Faktoren abhängig. In jedem Fall sind persönlicher Einsatz, Willenstärke und Disziplin notwendig, um dauerhaft Fortschritte zu erzielen. Durch die Teilnahme an Auffrischungskursen besteht die Chance, chronisches Stottern wirksam hinsichtlich der Sprechflüssigkeit verbessern zu können. Die Notwendigkeit sehe ich hauptsächlich in der Wiederholung und Festigung erlernter sprechmotorischer Vorgänge begründet. Weiterhin fördern verschiedene psychotherapeutische Aspekte der Gruppentherapie wesentlich den gesamten Prozess der persönlichen Motivation bei Anwendung einer für den Stotterer neuen Sprechtechnik. Nur durch umfassende Nachsorge ist Rückfallprophylaxe möglich. Mit Beachtung meiner persönlichen Situation (Alter, berufliche Belastung, Grad der Behinderung) schätze ich ein, dass ein dauerhafter Erfolg erst nach mehreren Refresherkursen möglich sein wird.
Auch ist es bestimmt wichtig, den erreichten Stand in verschiedenen Sprechsituationen von ärztlichem Fachpersonal und Stimm - und Sprachlehrern analysieren und bewerten zu lassen. Nur in diesen Sitzungen werden objektive Beurteilungen und Hinweise gegeben, wie der Klient die für ihn wichtige Sprechkontrolle erreicht.
Ohne das weiterführende Nachsorgeangebot der "Kasseler Stottertherapie" wird der Weg für den Stotterer natürlich zusätzlich und unnötig erschwert.
Das Stottern stellt für jeden Betroffenen eine Minderung des Lebensniveaus dar. Entsprechend der persönlichen Belastung wird der Grad der Behinderung in verschiedenen Stufen staatlich anerkannt. Nur eine wirksame Behandlung des Stotterns stellt eine wesentliche Anhebung des persönlichen Wohlbefindens dar. Die "Kasseler Stottertherapie" hat sich für mich in Qualität und Effektivität als einzig richtige Methode bewährt. «

 

Ulrich Korell, 2004

» Ich bin 38 Jahre und stottere schon seit meiner Kindheit. Ich habe regelmässig an meiner Symptomatik gearbeitet und versuchte mir von Kind an in dieser Angelegenheit Hilfe zu holen. Ich war in diversen logopädischen Praxen, in psychologischen Behandlungen (Psychotherapie, Psychoanalyse, Gruppenpsychotherapie, als Kind sogar deswegen beim Krankengymnasten und auch schon zur Elektroakupunktur).
Insgesamt absolvierte ich ein gutes Dutzent Therapien, aber nichts half wirklich oder brachte lang anhaltenden Erfolg. Das Problem beim Logopäden war, daß ich nur 1-2 Termine die Woche hatte, wodurch sich eventuell dort neu erarbeitetes nicht im Alltag umzusetzen war oder besser gesagt, wenn im Alltag anfangs eingesetzt relativ schnell wieder verlor. Es fehlte einfach die sogenannte Aufsicht, der Überwacher.
Außerdem war diese Dreiviertelstunde, zweimal die Woche nicht genug, um neue Techniken zu erproben, zu festigen und einzustudieren.
All dies war dann in der KST anders, man hat zunächst einmal drei Wochen und wird sozusagen rund um die Uhr überwacht oder besser gesagt überprüft. Man hat jederzeit einen Therapeuten zur Seite, der einem zur Seite steht, Tips gibt, hilft das neue Sprechmuster zu erlernen und auch im Alltag umzusetzen. Meiner Meinung nach kann nur eine solche Langzeittherapie zu einem längerfristigen Erfolg führen.
Deswegen ist es beispielsweise auch undenkbar eine solche Therapie in einer logopädischen Praxis durchführen zu lassen.
Ein ganz wichtiger Aspekt bei der KST ist auch die Nachsorge. Meine Krankenkasse genehmigte mir 2 Refresher, an beiden nahm ich teil und muß sagen, daß sie mir sehr gut getan haben. In diesen drei Tagen wird im Grunde noch einmal das gesamte Lernprogram im Schnelldurchlauf durchgearbeitet, wobei man sich natürlich spezifisch auf eventuell im Alltag aufgetretene Schwierigkeiten konzentrieren und daran arbeiten kann.
Dies alles natürlich wieder unter dauerhafter therapeutischer Betreuung, was so ungemein wichtig ist. Auch hier wird natürlich wieder aufgearbeitetes in Form von sogenannten Transfers in den Alltag umgesetzt, unter therapeutischer Betreuung, wie sich versteht.
Nicht zu vergessen ist natürlich auch, daß man in einer Gruppe Betroffener ist, wo einer dem anderen hilft und zur Seite steht. Ein meiner Meinung nach auch ganz wichtiger Aspekt für den Therapieerfolg. So kann man auch abends nach Beendigung des Therapietages unter Mitklienten in der sogenannten weichen Sprechweise bleiben, was denke ich nicht leicht möglich ist, wenn man unter "Normalsprechenden" ist, denn anfangs kostet es schon ein ganzes Stück Überwindung in dieser Sprechweise auch öffentlich zu reden.
Ich habe mir auch schon so meine Gedanken zum Thema Krankenkassen gemacht, gerade was das Thema Kosten angeht. Wie schon gesagt, ich war von früher Kindheit an immer in irgendeiner Therapie, meistens ein mal die Woche, zeitweise sogar zwei mal.
Seitdem ich die KST absolviert habe brauche ich das nicht mehr. Ich therapiere mich nun selbst, übe regelmässig mit dem Computerprogram Speak Gentle, kann es mir je nach freier Zeit einteilen und bin auf keinen Logopäden mehr angewiesen. Und was das kostenmässig für meine Krankenkasse ausmacht brauche ich hier, denke ich, nicht zu erwähnen. «

 

Mario Mannheim, 2004

» Auf Grund meines sehr starken Stotterns, habe ich schon sehr viele Therapien hinter mich gebracht, um einige zu nennen:

  • Musiktherapie für Kinder,
  • Grundschule für sprachbehinderte Kinder,
  • Sprachheilklinik in Bonn Oberkassel für insgesamt ein drei viertel Jahr,
  • Autogenes Training,
  • Besuch beim Psychologen,
  • langjährige Besuche, 14 tägig bei einer Logopädin,
  • mit 18 Jahren, intensiv Kurs (drei Wochen) in Hamburg bei Herrn Dr. Ippich (Stimm und Sprachheil Therapeut).

Rund 10 Jahre später dann endlich im April 2000 den drei wöchigen Intensivkurs der KST bei Dr. Alexander Wolff von Gudenberg.1,5 Jahre zuvor hatte ich meine zweite Ausbildung zum Datenverarbeitungstechniker abgeschlossen, bekam aber leider nie die Chance, diesen Beruf auszuüben, was ich auf meine mangelnde Kommunikationsfähigkeit zurück führe. Es kann Zufall sein, aber kurz nach der Therapie, nämlich im Oktober 2000 habe ich endlich einen Job als Systemadministrator gefunden, wo zuvor sonst immer nach dem Vorstellungsgespräch für mich schluss war. Nun arbeite ich seit drei Jahren in diesem Beruf und habe den Umstieg auf den sprachlich wesentlich anspruchsvolleren Job nicht bereut. Es gibt immer wieder schwere Zeiten, wo ich viel telefonieren muss, Kunden am Telefon die verschiedensten Dinge erklären darf, Bestellungen durchführe. All das, war vor Kassel nicht drin. Natürlich läuft es nicht immer gleich gut, aber durch die Sprechtechnik kann ich je nach Schwierigkeitsgrad der Sprechsituation mein Stottern beeinflussen. Früher hat das Stottern mich beeinflusst und unter Kontrolle gehabt, so das ich nichts anderes machen konnte, als zu Stottern. Das Wichtigste an dieser Therapie ist die Nachsorge: Das Üben am Computer und auch die anschließenden "Refresher", wo auf die aufgetretenen Schwierigkeiten eingegangen wird bzw. trainiert wird. In Form von Videoarbeit und Nachstellen von Sprechszenen. «

 

Matthias Quehl, 2004

» Ich habe 1996 den Intensivkurs als starker Stotterer gemacht.
Nach dem Intensivkurs habe ich deutlich besser, fast flüssig, gesprochen. Dadurch hat sich für mich die persönliche Lebensqualität privat und beruflich wesentlich verbessert.
Dieses Niveau konnte ich nur aufgrund des sehr guten Konzeptes der KST halten! Neben den Übungen am Computer habe ich regelmäßig an Refreshern oder Workshops teilgenommen. Dadurch konnte ich, die Fehler beim Sprechen, die wieder Blöcke verursachten, durch die alten fehlerhaften Stottergewohnheiten, frühzeitig beseitigen!
Ich übe immer noch regelmäßig und nehme an den Treffen der Selbsthilfegruppen der KST teil. «

 

Andreas Reif, 2004

» Ich weiß noch, wie ich im Spätsommer 1999 für einen halben Tag als "Schnupperer" in einem Kurs, der im Fröbelseminar in Kassel stattfand, auftauchte. Ich war neben der guten technischen Unterstützung durch Speak:gentle vor allem von dem Optimismus der vielen überwiegend jungen Klienten überrascht.
Dies brachte mich dazu, daß ich nach rund 15 Jahren einen weiteren Anlauf wagte, mein Stottern anzugehen. In der Kindheit und Jugend (ungefähr von der Grundschule bis zum 20. Lebensjahr) habe ich mehrere ambulante Therapien ausprobiert - leider immer ohne für mich spürbaren Erfolg.
Der 3-wöchige Kurs im Oktober 1999 hat mir eine andere Erfahrung gelehrt, nämlich daß ich mit Technik und Übung symptomfrei sprechen kann. Nicht nur mein eigenes Gefühl, auch die Reaktionen meiner Umgebung haben mir dies bestätigt.
Wichtige Pfeiler des Konzeptes sehe ich in der Softwareunterstützung und der Nachsorge, die die guten Ergebnisse stabilisieren helfen. Dabei sehe ich als Nachsorge nicht nur die zum Konzept gehörenden Refresher, sondern auch die um die KST - durch Dr. von Gudenberg und seinem Team geförderten und unterstützten - gewachsenen Strukturen mit der regelmäßigen regionalen Übungsgruppe, dem Freundeskreis der KST und dessen Angeboten.
Natürlich bin ich und mein Sprechen nicht so wie am ersten Tag nach der Therapie, und es gibt auch mal schlechte Tage. Aber insgesamt habe ich mein flüssiges Sprechen gut stabilisieren können. So habe ich zum Beispiel letzten Samstag beim runden Geburtstag meines Schwagers in München eine Einlage angesagt und moderiert - stotterfrei, wie mir meine Frau bestätigte. Ich weiß, daß ich es kann, und ich kann es in den meisten wichtigen Situationen abrufen: Das ist ein Standard,

  • den ich früher längst nicht hatte
  • der nicht nur mich mit meinem Sprechen insgesamt zufrieden sein läßt
  • sondern der mir auch in meinem Beruf mit den vielen Telefonaten, Besprechungen und Präsentationen weiter hilft.

Der dauerhafte Erfolg hat sich bei mir - so denke ich - nicht nur durch die innerhalb der KST erfolgte Langzeituntersuchung, sondern auch bei meiner Vorstellung bei Frau Prof. Berger in Marburg erwiesen. «

 

Thomas Vellmer, 2004

» Die Therapie der KST liegt bei mir jetzt knapp zwei Jahre zurück. Rückblickend kann ich sagen, dass die Therapie der KST (Kasseler Stotterer Therapie) bei mir den besten Erfolg meiner absolvierten Therapien brachte.
Meine erste Therapie war bei einem Logopäden und dauerte ca. 3 Jahre. Diese Therapie brach ich dann ab, weil sich mein Sprechen nicht wesentlich verbessert hatte. Schade um´s Geld und um die Zeit.
Ganz ähnliche Erfahrungen sind mir von anderen Stotterern, aus der Stotterer Selbsthilfe bekannt. Die "Erfolgsquote" einer ambulanten Sprachtherapie beim Logopäden würde ich als sehr gering einschätzen. Genaue Zahlen kann wohl niemand anführen, da keine Befragungen durchgeführt werden (so war es zumindest damals vor ca. 25 Jahren bei mir).
Genaue Zahlen kann Ihnen aber die KST bieten. Und die Erfolgsquote würde ich als überdurchschnittlich hoch bezeichnen.
Qualität sollte auch in Bezug auf Therapien die oberste Priorität haben. «

 

Jörg Behr, 2004

» Kurz zu meiner Person:
Ich bin 25 Jahre und studiere Maschinenbau an der Berufsakademie in Horb am Neckar. Dieses Studium war mein persönlicher Berufswunsch, den ich erst durch die Kasseler Stottertherapie verwirklichen konnte!
Ich stottere seit meinem 4. Lebensjahr (laut meinen Eltern) und habe im Mai 2001 an der Kasseler Stottertherapie teilgenommen. Dadurch hat sich mein ganzes Leben verändert! Zum ersten mal in meinem Leben konnte ich wirklich sagen was ich wollte und hatte keine Angst mehr vor dem Sprechen. Allein für diese Erfahrung, kann ich die KST nur jedem Betroffenen empfehlen!
Sie hat mir vor allem auch neuen Lebensmut gebracht. Denn direkt vor der Therapie war ich arbeitslos und, was wahrscheinlich nicht mal meine Eltern wissen, habe über Suizid nachgedacht.
Aber der Reihe nach:
Seit der Grundschule bis zu meinem Abitur habe ich an verschiedenen ambulanten Therapien teilgenommen, die keine dauerhafte Verbesserung an meinem Sprechen bewirkten. Darunter eine Spieltherapie in der Grundschule, mehrere Therapiestunden an der Sprachschule in Herrenberg und eine logopädische Behandlung in Böblingen. Leider kann ich von keiner behaupten, dass sie mir wirklich weitergeholfen hat. Da ich ein ruhiger Schüler war, bin ich auch so ganz gut durch meine Schulzeit gekommen. In den Pausen oder wenn man Quatsch gemacht hat, war das mit dem Sprechen ja auch kein Problem. Aber wehe der Lehrer wollte mal etwas von mir wissen oder ich sollte etwas vorlesen, dann brachte ich kaum ein Wort heraus. Das ging sogar soweit, dass ich beim Vorlesen in der Reihe einfach übersprungen wurde und meine Aufsätze von einem Mitschüler oder sogar dem Lehrer selber vorgelesen wurden. Damals fand ich das eigentlich immer eine ganz gute Sache, auch wenn ich mich nie besonders wohl dabei gefühlt hatte. Es war wenigstens besser als zu stottern.
Naja, mit der Pubertät wurde das Sprechen dann auch in meiner Freizeit ein immer größeres Problem. Aber durch geschicktes Vermeideverhalten und mit Hilfe meiner Mutter und meinen Freunden konnte ich mich vor den meisten unangenehmen Sprechsituationen drücken. Erst als dann das mündliche Abitur immer näher rückte, war ich gezwungen etwas gegen mein Stottern zu unternehmen, so dachte ich zumindest. Meine Mutter, wer sonst, ging dann mit mir zu einer Psychotherapeutin nach Stuttgart. Dort hatte ich dann zum ersten mal sehr positive Erfahrungen gemacht. Durch autogenes Entspannungstraining und Traumreisen gelang es mir zwar flüssig zu sprechen und es war auch sehr angenehm, aber eben nicht in den Alltag umzusetzen. Danach bin ich dann noch nach Reutlingen zu einem Therapeut, wo ich ausschließlich Entspannungsübungen, auch regelmäßig zuhause, machen durfte. Was aber gar nichts mehr gebracht hat. Überraschenderweise habe ich dann auch stotternd ein gutes mündliches Abitur hingebracht.
Um es abzukürzen:
Meine Wehrdienstzeit war nicht gerade angenehm, wenn man von den Kameraden ausgelacht wird, weil man beim Durchzählen nichts rausbringt oder die Vorgesetzten einen ständig blöd anmachen, weil sie denken, man hätte die Dienstgrade nicht auswendig gelernt oder würde sie veräppeln wollen. Danach wollte ich, wie gesagt, an der BA studieren, brachte jedoch bei den Vorstellungsgesprächen kaum ein Wort raus und habe mich dann, nach lauter Absagen, an der Universität in Stuttgart für den Studiengang Maschinenbau eingeschrieben. Das wurde zu meinem größten Problem. Auch wenn es nur Kleinigkeiten waren, so musste man doch sehr viel selber organisieren und ich hatte es plötzlich mit sehr viel neuen, unbekannten Leuten zu tun. So rannte ich von einem Block in den anderen und fühlte mich immer schlechter und hilfloser. Ich hatte mich zwar noch zu den Prüfungen angemeldet, ging aber einfach nicht hin. Obwohl ich in der Schule früher sehr diszipliniert war und in den schriftlichen Noten immer zwischen eins und zwei lag. Daraufhin habe ich mich nach dem ersten Semester (zwangs-) exmatrikulieren lassen. Ich habe dann ca. ein Jahr bei meinem Vater, er hat ein Bauunternehmen, gejobbt und mich nebenher wieder für das BA-Studium beworben. Leider klappte das bei den Vorstellungsgesprächen immer noch nicht und auch das Arbeiten auf dem Bau machte mir bald keinen Spaß mehr. Aus lauter Frust und weil ich wirklich nicht mehr wusste, was ich tun sollte, blieb ich dann voll ganz zuhause. Ich wohnte ja noch bei meinen Eltern und hatte keine finanzielle Verpflichtungen. Zu dieser Zeit habe ich mich dann immer mehr isoliert und auch verstärkt an Suizid gedacht. Was vielleicht ein Grund für meinen Motorradunfall Ende 2000 war. Ich dachte immer, wenn gar nichts mehr klappt, fahr ich halt mit dem Motorrad gegen einen Baum! Zum Glück bin ich in einer Wiese gelandet und konnte nach einer Woche wieder aus dem Krankenhaus. Im Fernsehen habe ich dann von Del Ferro in Amsterdam gehört und wollte eigentlich dort auch hingehen. Doch vorher wollte ich es noch mal mit einer logopädischen Behandlung versuchen. Hauptsächlich ging es mir aber darum, mich allgemein über Stottertherapien zu informieren und im Speziellen über Del Ferro. Ich dachte, da müsste ein Logopäd mir am besten weiterhelfen können. Glücklicherweise bin ich dann in Tübingen bei einer logopädischen Praxis gelandet, wo mir die Kasseler Stottertherapie empfohlen wurde. Das Therapiekonzept hörte sich viel "angenehmer" an als das von Del Ferro und somit habe ich mich für die KST entschlossen. Und ich bin wirklich froh, dass ich in Kassel war. Nicht nur in sprachlicher Hinsicht hat mir diese Therapie viel gebracht, sondern auch menschlich und eben beruflich.
Direkt nach der Therapie war ich natürlich ziemlich flüssig und voller Tatendrang. Aber leider kam nach ca. 6 Wochen der erste Rückfall. Auf so was war ich überhaupt nicht vorbereitet. Zum Glück kam dann gleich der erste Refresher, 2 Monaten nach dem Intensivkurs, und diese 3 Tage haben erstaunlich viel gebracht.
Ich hatte mich nämlich wieder für das BA-Studium beworben und das Vorstellungsgespräch verlief einfach genial. Ich konnte mich wirklich so ausdrücken wie ich es wollte. Ich habe den Job dann bekommen und bin mittlerweile im fünften Semester. Habe meine mündliche Zwischenprüfung, ohne diese Sprechangst wie beim Abitur, gemeistert, wohne nicht mehr zuhause bei meinen Eltern und fühle mich endlich selbstständig.
Aber das wichtigste ist, ich stottere auch jetzt wieder. Weiß aber wie ich mich auf bestimmte Situationen vorbereiten kann und sehe es nicht mehr als das größte Problem der Welt. Das Üben am PC ist dabei besonders nützlich, aber ohne die Refresher, wäre ich wohl nie soweit gekommen. Denn es ist eine Sache mit einem Computer zu sprechen, aber eine ganz andere, mit Menschen zu sprechen.
Wahrscheinlich hätte ich mir jedoch die Kasseler Stottertherapie erst gar nicht leisten können, wenn nicht die Krankenkasse die Kosten übernommen hätte. Ganz abgesehen von den Refreshern, die mich erst dazu gebracht haben, nicht aufzugeben. Ich über zwar täglich am PC, dennoch fällt es mir momentan schwer das gefühlte Sprechen anzuwenden. Ich denke, es ist mal wieder Zeit für einen Refresher... «

 

Christian Menke, 2003

» Mein Name ist Christian Menke. Ich stottere seit meinem 7-8. Lebensjahr und habe verschiedene Therapien hinter mir. Unter anderem war ich bei Logopäden, beim Greifenhofer Institut und in diesem Jahr bei der KST. Ich habe einen Erfahrungsbericht von meiner Zeit während der Kasseler Stottertherapie geschrieben. Ich habe keine Mühen gespart, um die Therapie genau darzustellen. Viel Spass beim Lesen ;-) «
Download: Christian Menkes Erfahrungsbericht (18 Seiten!) als PDF-Datei.

 

Tom Weber, 2003bvss-list@bvss.de

» Hallo!
Ich habe mich in der BSVV eingetragen, weil ich gerne sehen wollte, wie andere Leute mit einem Stotterproblem klarkommen.
Nach langem Kampf und vielen verschiedenen Therapien habe ich persönlich die Lösung dieses Problems gefunden und jetzt einen Erfahrungsbericht geschrieben. Es handelt sich um einen SUBJEKTIVEN Erfahrungsbericht, und ich bitte darum, ihn so stehen zu lassen. Falls jemand Fragen hat oder einfach hören will, wie ich spreche, kann er mich gerne unter 0175-4229738 anrufen.
Seit ich mich erinnern kann, habe ich gestottert. Die erste Therapie, die ich mitgemacht habe, war eine Spieltherapie. Die Therapie war zwar lustig, aber hat nichts an der Stottersymptomatik geändert.
Ich war 10 Jahre alt und habe damals schon sehr unter dem Stottern gelitten.
Mein Stottern wurde dann in der Teenagerzeit immer schlimmer, und ich habe weitere Therapien ausprobiert, die aber alle keinen Einfluss auf meine Sprache hatten.
Bis zum zwanzigsten Lebensjahr hatte ich bereits Hypnose (20 Sitzungen à 30 Minuten), handelsübliche Logopädie (3 Jahre lang mit 2 Wochenstunden), Psychotherapie (3 Jahre mit 2 Wochenstunden), Psychoanalyse (2 Jahre mit 2 Wochenstunden) hinter mir.
Trotz meines harten Einsatzes hat sich mein Sprechen aber in keiner Weise geändert. Ich war völlig enttäuscht davon, dass mir niemand helfen konnte.
Es traten dann gehäuft Probleme auf: Keine Frauen, in der Schule bin ich zweimal sitzengeblieben, weil mein Sprechen mich so runtergezogen hat, dass ich keine Lust mehr auf Lernen hatte, und meine sozialen Kontakte waren auf ein Minimum reduziert.
Mit 20 Jahren habe ich dann im Fernsehen einen Bericht über die Del-Ferro-Methode gesehen. Trotz vieler Zweifel habe ich an dieser Therapie teilgenommen und dabei zum ersten Mal erfahren, dass ich tatsächlich ohne zu stottern reden kann.
Ich habe mich zu 100% an die Therapieanweisungen gehalten, trotzdem fing ich aber nach einem halben Jahr wieder zu stottern an.
Ich habe dann, wieder einmal völlig verzweifelt, den 10-Tage-Intensiv-Kurs noch einmal gemacht. Die BEK hatte mittlerweile die Del-Ferro-Methode aus Ihrem Kostenersatzprogramm gestrichen, so dass ich den 2. Kurs komplett selber zu bezahlen hatte.
Trotz grösster Anstrengung, viel Mut und über 15 Nachbehandlungstagen konnte ich mit der Del-Ferro-Methode jedoch nicht mehr ohne zu stottern reden. Auch ein Gespräch mit Frau Del Ferro konnte mich nicht darüber aufklären, wieso die Methode bei mir nicht mehr funktioniert. Es schien einen grundsätzlicher Fehler in der Del-Ferro-Therapie zu geben.
Mittlerweile hatte ich ein Medizinstudium begonnen. Mir war aber klar, dass ich so heftig stotternd (mit einem Satz pro halber Minute oder länger) den sowieso schon mit dem Studium verbundenen Stress nicht aushalten würde. Deshalb fing ich dann an, alles auf einen Notizblock aufzuschreiben. Damit war ich den Stress mit dem Stottern wenigstens los, und auch bei den Frauen hatte ich damit keine Probleme, die fanden das Aufschreiben "süss".
Ich hatte ca. 2 Jahre danach selbst eine Idee für eine Stottertherapie, nämlich ein medizinisches Implantat, das das Zwerchfell sozusagen als Schrittmacher dazu zwingen sollte, seine normale Bewegung auch beim Sprechen auszuführen. Damit, so dachte ich, wäre das Stottern beseitigt.
Über das Internet habe ich dann versucht, alle möglichen Leute für die Idee zu begeistern. Mir wurde dann aber schnell klar, dass allein die Entwicklung dieses Projekts viele Jahre in Anspruch nehmen würde, falls es überhaupt jemals in die Tat umgesetzt werden würde.
Zufälligerweise knüpfte ich über das Internet Kontakt mit Dr. Alexander v. Gudenberg. Er teilte mir seine Bedenken mit, warum es mit einem "Zwerchfellschrittmacher" allein noch nicht getan wäre, zumal die Atemmuskulatur beim Stottern auch nicht das macht, was sie soll.
Er bot mir dann einen Therapieplatz in der "Kasseler Stottertherapie" an, falls ich mit meinem Sprechen überhaupt nicht mehr klar käme.
Ich schaute mir daraufhin auf der Webseite der Kasseler Stottertherapie ein Video an, in dem Hr. Dr. v. Gudenberg spricht und die Therapie kurz vorgestellt wird, wobei ich nicht wusste, ob mir diese Therapie zusagen würde. Das Sprechen, das ich bei ihm gehört hatte, war zwar wesentlich besser als mein Stottern, aber hatte gar nichts mehr mit dem Grundgedanken von Del-Ferro zu tun, also dem "Nicht sprechen, bevor Du nicht weisst, dass Du nicht stottern wirst".
Aber Del-Ferro hatte mir trotz knochenharter Arbeit und völliger Entschlossenheit nichts gebracht, ausser dass ich jetzt noch schlechter mit meinem stotternden Sprechen klar kam als früher sowieso schon.
Ich musste mich erst einmal mit dem Gedanken anfreunden, vielleicht nicht ganz flüssig, aber immerhin etwas flüssiger zu reden.Es dauerte allerdings noch fast ein Jahr, bis ich mich dazu durchringen konnte, Hrn. Dr. v. Gudenbergs wirklich liebes Angebot anzunehmen. Er teilte mir mit, dass die Krankenkassen die Kosten für diese Therapie übernehmen würden.
Die Kasseler Stottertherapie: Der erste Tag der Therapie war absolut stressig für mich, weil für die Krankenkasse Passanteninterviews geführt werden mussten. Ich hatte ja fast 2 Jahre nicht mehr gestottert, sondern, bis auf ganz kurze Sätze, nur aufgeschrieben.
Die nächsten Tage haben mein Leben dann jedoch völlig umgekrempelt. Es wurde immer entspannter. Während der Therapie wurde gezeigt, wie das Stottern zustande kommt, und ich war erstaunt und erleichtert, dass das Stottern tatsächlich körperliche Ursachen hat, die man mit einer Sprechtechnik (dem "Weichen Stimmeinsatz") umgehen kann. Diese Technik war erstaunlich leicht zu erlernen.
Obwohl ich mit dieser neuen Sprechweise absolut flüssig war, hatte ich während der Therapie trotzdem die Angst, dass die Anfangszeit "wieder mal" gut gehen würde und ich später wieder anfangen würde zu stottern, wie ich das bei Del-Ferro erlebt hatte.
Das Tolle war aber: Ich hatte, wie gesagt, ständig die Angst, und TROTZDEM habe ich immer flüssig gesprochen. Ich musste nicht an meiner Psyche arbeiten. Ich hatte nämlich schon immer das Gefühl, dass mit mir sonst alles in Ordnung ist. Für einen Stotterer hielt ich mich für relativ cool, und alles was mich bedrückte, war das Stottern selbst!!
Die Therapie wurde zunehmend lustiger. Es war fast wie Urlaub. Abends gingen wir in die Disko, haben gegrillt oder feuchtfröhliche Abende verbracht. Zu der Zeit war das Institut der Kasseler Stottertherapie noch neben einem Altenheim untergebracht, was einen Quell ewiger Heiterkeit und viele Sprechgelegenheiten bot... mitunter zuviele... Es war eine wirklich entspannte Zeit im Institut, und auch Dr. v. Gudenbergs Satz "Keine Angst, es wird noch härter!!" bewahrheitete sich bei mir nicht. Alles, was ich getan habe, war, dass ich die Sprechtechnik benutzt habe.
Zum Ende der Therapie wurde zusätzlich die Möglichkeit angeboten, das Sprechen weiter der "Normalsprache" anzupassen. Ich habe von diesem Angebot jedoch recht wenig Gebrauch gemacht, weil es für mich zuerst einmal wichtig war, meine Sprechflüssigkeit aufrecht zu erhalten.
Man könnte auch sagen: Ich war glücklich mit dem, was ich bereits erreicht hatte.
Ich spreche auch heute noch den grössten Teil der Zeit mit dem "Weichen Stimmeinsatz" und habe damit keinerlei Probleme. Weder bei der Jobsuche, noch bei den Frauen...

Ich bin der Meinung, dass der wirklich grosse Vorteil der Kasseler Stottertherapie und des "Weichen Stimmeinsatzes" in der Flexibiliät und Dynamik liegt:
Man bekommt zuerst medizinisch und wissenschaftlich fundiert erklärt, wie das Stottern zustande kommt. Dann erlernt man die Sprechtechnik, die das Stottern verhindert, und man selbst entscheidet, wie sehr man die Technik einsetzt.
Da jeder Betroffene unterschiedlich stark stottert, und sicherlich selbst entscheiden möchte, in welcher Situation er unbedingt das Kontrollgefühl haben möchte, halte ich die Kasseler Stottertherapie für das Beste, was an Stottertherapien angeboten wird.
Ich bin Hrn. Dr. v. Gudenberg sehr dankbar, dass ich jetzt "Herr über mein Sprechen" und nicht mehr von Tagesformen abhängig bin.
Mit lieben Grüssen
Tom Weber «

 

Julia Kunde, 2003, 1 Jahr nach der Therapie

» Zu erst mal zu meiner Person: Ich bin Julia und 16 Jahre alt. Ich komme aus Neuruppin, etwa 80 km nördlich von Berlin. Meinen Intensivkurs bei der KST habe ich im Juni 2002 gemacht.
In der Schule hat mich mein Stottern schon immer behindert. Nie wurde ich beim Lesen drangenommen und bei Vorträgen war ich auch immer die Letzte, die einen hielt. In der Grundschule brach ich zwei Vorträge ab, weil es einfach nicht mehr ging. Ich hing an ein und demselben Wort und es wollte und wollte einfach nicht weitergehen. Meine neue Klasse auf dem Gymnasium erfuhr erst von meinem Stottern, als mich unsere ahnungslose Biolehrerin zum Lesen drannahm. Vorher hatte ich wenig gesprochen und mich eher zurückgehalten.
Durch einen Zeitungsartikel erfuhren meine Mom und ich von der KST. Das Konzept sprach uns beide an und nach Rücksprache mit meiner Logopädin, waren wir uns ziemlich sicher. Ich war zu diesem Zeitpunkt aber gerade mal 12 Jahre. Zwar störte mich mein Handicap sehr, aber aus heutiger Sicht denke ich, dass ich mit zwölf Jahren noch nicht wirklich über so etwas entscheiden konnte. Meine Mutter schrieb mehrere Anträge an meine Krankenkasse zur Kostenübernahme der Therapie. Es kostete doch geschlagene 2 ½ Jahre Kraft bis uns die Bestätigung dafür ins Haus flatterte.
Im Herbst 2001 fuhr ich mit meinem Vater zu einem Infotag nach Kassel. Ich war sehr erstaunt, denn bei dem Aufnahmegespräch war von meinem Stottern kaum etwas zu merken. Mein Vater meinte später, dass es wohl einfach nur die Atmosphäre dort war. Nun war es vollkommen egal, wie und ob ich stotterte. Nach dem Infotag war ich mir sicher, dass die KST die Therapie für mich wäre, die ich mir am besten vorstellen konnte. Nun brauchte ich "nur" noch einen geeigneten Termin. Nach einigem Trara mit der Schule und wieder mit der Krankenkasse konnte ich am 7. Juni 2002 am Bahnhof zu meiner Mom sagen: "Wir sehen uns in drei Wochen wieder. Dann hast du ein neues Kind."
Nach sechs Stunden Fahrt mit dem ICE und Bus stand ich vor dem Eingang der KST. Auf der einen Seite war ich total glücklich dort zu sein, aber auf der anderen Seite war mir schon etwas mulmig. Beim Frühstück am nächsten Morgen sagte eigentlich niemand mehr als "Guten Morgen". Nach der Vorstellungsrunde und dem ersten Passanten-Interview war die erste Hürde überwunden. In den nächsten Tagen wurden uns viele Entspannungsübungen gezeigt, das PC-Programm vorgestellt und in den Pausen und am Abend lernte man so nach und nach die anderen Klienten kennen. Ich hatte von Anfang an gewusst, dass diese drei Wochen nicht leicht werden würden. Am Anfang machte es mir noch Spaß mit meiner Stimme und Sprache am PC rumzuexperimentieren. In der dritten Woche war es schon manchmal anstrengend dazusitzen und immer das gleiche zu tun. Das Programm kannte man nach einer gewissen Zeit auswendig. Es lag aber einfach daran, dass ich manchmal ziemlich müde war und schon keine Lust zum Aufstehen gehabt hatte. Nach der 1. PC-Runde war man aber doch meist richtig wach und der Tag konnte gut gelaunt weitergehen. Die Abende mussten ja schließlich auch voll ausgenutzt werden, drei Wochen können ziemlich kurz sein. Meist gingen wir alle zusammen in unsere Stammkneipe den "Klimperkasten", saßen dort und unterhielten uns. Manchmal ging es auch abends noch ins Schwimmbad zum Austoben. Nachdem gesagt wurde, dass nun auch außerhalb der Therapiezeit in gefühlter Sprechtechnik gesprochen werden sollte, war es manchmal nicht ganz leicht. Aber in der Gruppe fühlte man sich dann doch sicher, machte sich gegenseitig darauf aufmerksam und machte Späße mit der "Technik". (Ein Beispiel: Man sieht einen kleinen Jungen über die Straße rennen. In dem Augenblick kommt ein Auto und man benutzt 2 Sekunden Stabilisierung: "Aaaaaaach .... tuuuuuuung" ;-) ) Unser erster Ausflug in die "Öffentlichkeit" war in ein Logopädenzentrum in Kassel. Obwohl solche Leute ja bescheid wissen, war es schon komisch da vorn mit der Stoppuhr zu stehen und zwei, drei Minuten etwas zu sagen. Aber man wusste, dass die Gruppe hinter einem steht.
Nach 1 ½ Wochen meldete sich meine Mom das erste Mal per Telefon. Sie war geschockt. Ich sprach noch so anders und komisch. Mir sagte sie nicht, was für ein Schock das für sie war, aber wenige Tage später erfuhr ich es von Alex. Meine Mom war nicht mit beim Infotag gewesen und hatte sich bisher "nur" um die Formalitäten gekümmert. Ich bekam etwas Angst: "Ob meine Freunde wohl auch so reagieren würden?" Zum Glück rief mich wenig später meine beste Freundin an und meinte auf mein Fragen, dass es kein Problem für sie wäre. Sie fände es richtig gut, wie ich jetzt spreche. Puuhhhh!
Einen Tag vor dem Infotag kam mein Vater um mit mir das Wochenende zu verbringen. Für mich hätte es sich nicht gelohnt, nach Hause zu fahren. Ich hätte dort gute 24 Stunden gehabt und hätte dann wieder zurück gemusst. An diesem Wochenende erhielt ich volle Unterstützung von meinem Vater. Wenn ich mal versehentlich in die alte Sprechwiese fiel, kam gleich ein fragender Blick oder ein geräuschvolles Räuspern. Auch die dritte Woche ging viel zu schnell vorbei. Und es hieß schon wieder heimfahren und sich im Alltag ausprobieren.
In den drei Wochen hatte ich viel Selbstbewusstsein durch den vielen Transfer und den guten Rückhalt der Gruppe gewonnen, eine gefühlte Sprechweise mit der ich sehr zufrieden war und nebenbei noch neue Leute kennengelernt.
Jetzt hatte ich nur noch drei Tage Schule und dann hatte ich sechs Wochen Sommerferien. Nun konnte ich ausprobieren, wie es mir das gefühlte Sprechen gelingt und wie andere Menschen darauf reagieren würden. In den sechs Wochen nahm die Geschwindigkeit meiner Sprechweise noch ein mal zu. Zum 1. Refresher bekam ich noch ein paar Tipps im Umgang und zur Sprachveränderung. Im Herbst ging ich für vier Wochen zu einem Schüleraustausch nach Kalifornien. Dort erlebte ich mein erstes richtiges Tief. In der ersten Woche funktionierte mein Laptop nicht, so dass ich nicht üben konnte. Mir gelang es einfach nicht, die gefühlte Sprechweise auf das Englische zu übertragen. Als ich wieder zu Hause war, brauchte es einige Zeit bis ich wieder gefühlt sprechen konnte. Einfach umschalten klappte nicht so wirklich. Dann hielten sich die Blocks auf 20 %. Nur wenn ich sehr aufgeregt war, ging es wieder los. Den richtigen Ruck nach oben hat mir mein 2. Refresher im April gebracht. Zwar ist es bei mir zur Zeit ziemlich stressig, aber durch das tägliche Üben bin ich voll und ganz zufrieden mit meinem Sprechen.
Auch der Kontakt zu den Klienten aus meinem Intensivkurs hilft manchmal ungemein. Man kann sehen, wie sich die Anderen im Sprechen entwickelt haben und einfach mal ungehindert mit sehr übertriebener Silbenbindung drauflosquasseln.
Man muss sich einfach mal Zeit für sich und seine Sprache nehmen und sagen: "Jetzt bin ich mal dran. Jetzt gilt meine Aufmerksamkeit allein meinem Körper!".
Einfach mal sagen: "Ich will!" und sich die Zeit nehmen die man braucht.
Nun ist meine Intensivtherapie inzwischen ein ganzes Jahr her - ein Jahr mit vielen Höhen und Tiefen. In diesem Jahr habe ich viel dazugelernt. Inzwischen bezeichne ich mich nicht mehr als Stotterin. Die KST war für mich goldrichtig. Wenn auch manchmal sehr nervenzehrend, ist dies meine Sprechweise mit der ich leben kann und die ich für mich selbst akzeptiere. «

 

Brigitte Gewies, Logopädin: Verlaufsbericht Sven Sell, 2002

» Herr Sell ist seit April 2001 wegen ausgegprägter Stottersymptomatik bei mir in logopädischer Behandlung. Auffälligste Leitsymptomatik war ein Initialstottern, das Herrn Sell nicht ermöglichte bei Sprachbeginn die Stimme einzusetzen. Herr Sell erwiderte alle Anfragen oder Anweisungen trotz Sprechbereitschaft mit Schweigen, das von Mitbewegungen und neurovegetativen Störungen wie Schweißausbrüchen und Tremulus der Hände begleitet wurde. Die Atmung war verkrampft, gesprochen wurde auch zum Teil inspira-torisch, mit hechelnder Atmung. Mir ist in meiner 20 jährigen Praxis noch kein Patient mit so ausgeprägter Symptomatik begegnet.
Der Patient hatte größte Schwierigkeiten im Alltag mit seiner Umwelt sprachlichen Kontakt aufzunehmen: kaum ein Gesprächspartner brachte die Geduld auf, zwischen 30 und 180 sek. auf eine Antwort zu warten. Das Schweigen wurde vielfach missgedeutet. Es wurde Herrn Sell unterstellt, die Frage nicht verstanden zu haben, sie nicht beantworten zu können, unhöflich zu sein oder mit dem Gesprächspartner keinen Kontakt zu wünschen. Die Reaktionen der Umwelt, wie z.B. Wiederholen der Frage, einfacheres Formulieren der Frage, lauteres Sprechen oder Abbruch des Gesprächs verstärkten bei Herrn Sell nur noch die Symptomatik. Die Folgen für den Patienten waren fatal.
Welche Auswirkungen das für den stellungslosen Patienten bei der Arbeitssuche hat, brauche ich wohl nicht länger erläutern.
Wir haben in der Therapie begonnen, über die Regulierung der Atmung und das Erlernen der Zwerchfell gesteuerten Atmung eine Verbesserung im Redefluss zu erreichen. Es trat zwar eine Verbesserung ein, die Symptomatik brach aber immer noch in Zyklen stark durch.
Dazu kommt, dass der Patient kein Auto besitzt und inzwischen von meinem Wohnort Furth nach Hohenthann umgezogen war. Es gibt keine Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und so konnte die Therapie nicht so oft wie erforderlich durchgeführt werden.
Auf meine Anregung hin, einmal eine mehrwöchige, ganztägige Intensivtherapie zu versuchen, gelang es Herrn Sell kurzfristig einen Therapieplatz bei Dr. Alexander Wolff von Gudenberg an der Universität Kassel zu bekommen. In einem intensiven Gespräch mit Dr. Gudenberg vor Beginn der Therapie, in dem er mir versicherte, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Therapiekosten bezahlen, konnte ich mich überzeugen, dass eine computergestützte Therapie mit strukturierter Nachsorge (der Patient erhält nach dem 3-wöchigen Aufenthalt in Kassel ein Computerprogramm für zu Hause, die logopädische Therapie wird weiter fortgesetzt) für Herrn Sell eine große Chance ist, sein über 20 Jahre andauerndes Stottern in den Griff zu bekommen.
Und meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Schon am Tag seiner Rückkehr rief mich Herr Sell freudig an, berichtete über den Therapieverlauf und bat um einen neuen Termin. Ein Tatbestand, der 3 Wochen vorher nicht möglich war. Eine Restsymptomatik von inspiratorischer Atmung ist immer noch vorhanden, auch treten noch zwischendurch klonische oder tonische Sprechphasen auf - besonders in belastenden Situationen, die Kommunikation mit dem Patienten hat sich aber dramatisch verbessert. Das Initialstottern mit langen Schweigephasen ist völlig verschwunden.
Besonders erfreulich ist die für Herrn Sell neue Möglichkeit, selbständig zu telefonieren. Bei Anrufen an meiner Privatnummer hat er, als ich nicht zu Hause war, mehrfach mit Angehörigen aus meiner Familie gesprochen, und dort problemlos sein Anliegen vorgetragen.
Herr Sell hat innerhalb dieser kurzen Zeit wesentliche Fortschritte gemacht. Die Einstellung zu sich selbst hat sich ins Positive gewandelt. Völlig neue Möglichkeiten auch im Bereich der Stellensuche haben sich ergeben.
Ich halte es aus therapeutischer Sicht für dringend erforderlich, dass die begonnene Therapie nach dem Kasseler Therapieprogramm weitergeführt wird. Nur so ist meiner Meinung nach zu hoffen, dass die Behandlungserfolge sich weiter stabilisieren und der Patient wieder vollständig rehabilitiert wird. «

 

Michael Wärtsch, 2002

» Am Anfang war die Skepsis. Maßgeblich geprägt durch viele negative Therapieerfahrungen und doch angetrieben vom Leidensdruck machte ich mich auf nach Bad Emstal, um die neue Stottertherapie, von der ich im Internet gelesen hatte, vor Ort zu erleben. Was ich sah, hat mich im ersten Augenblick enttäuscht, ja erschreckt, sprachen doch die Klienten aus dem laufenden Kurs nicht nur völlig verfremdet, sondern auch überaus langsam und zum Teil sehr undeutlich. Von anderen Therapien war ich doch gewohnt, dass die Klienten nach einigen Tagen völlig fließend, locker und unauffällig sprachen. Und wie sollte das bei mir im Beruf klappen, wo ich sehr auf verbale Kommunikation angewiesen bin. War das eine Verbesserung gegenüber meinem Stottern?
Ich fuhr enttäuscht aus Bad Emstal zurück und es dauerte über ein halbes Jahr, bevor ich mich dann, hauptsächlich wegen meines Berufes, doch entschloss einen Intensivkurs mitzumachen. Eine Entscheidung, die ich nie bereut habe. Zwar musste ich von Anfang an einige Abstriche machen, so wurde uns von vornherein gesagt, Stottern sei nicht heilbar. Man tausche, vor allem am Anfang, eine Unauffälligkeit gegen eine andere. Und ich lernte schnell, was damit gemeint war. Während des Kurses und die erste Zeit danach, so wurde uns gesagt, sollten wir immer in "übertriebener Sprechtechnik" sprechen. Dies bedeutet, die sprechtechnischen Mittel der Therapie, welche ein stotterfreies Sprechen forcieren, in reiner Form einzusetzen und die Normal- oder Spontansprache zumindest zeitweilig völlig aufzugeben.
Getreu dem Motto "ganz oder gar nicht" ließ ich mich darauf ein, sprach übertrieben in Technik, übte während der Intensivtherapie stundenlang am PC und merkte, es funktioniert. Wir sprachen vor großen Gruppen, telefonierten, unterhielten uns mit Passanten vor laufender Videokamera und sprachen dabei stotterfrei. Doch gegen Ende des Intensivkurses kamen bei mir die alten Zweifel und Ängste wieder hoch: Was wird nach dem Intensivkurs? Halte ich das durch?
Ich habe es letztendlich durchgehalten, obgleich es bei mir immer wieder auch Einbrüche gab und gibt. Meist habe ich mich dabei ertappt, dass es meine eigene Einstellung zu meinem Sprechen ist, die mir Steine in den Weg legt. Ich lernte den Wert eines gesunden Selbstbewusstseins zu schätzen, gewachsen durch sprachliche Sicherheit. Und ich lernte, mit der Technik zu arbeiten. Heute spreche ich nicht oder kaum noch hörbar in Sprechtechnik, was eigentlich nur im Sinne der Therapie ist, wenn man dabei immer stotterfrei spricht, sich innerhalb seines sprachlichen Sicherheitsbereiches bewegt. Diesen Sicherheitsbereich, muss ich eingestehen, verlasse ich ab und an. Doch durch die Kasseler Stottertherapie und meine eigenen Erfahrungen mit dieser Therapie habe ich für mich einen Kompromiss gefunden aus unauffälligem und dennoch wesentlich flüssigerem Sprechen. Einzig, es stimmt, man bleibt ein Stotterer.
Für mich bedeutet die Therapie, dass ich mich von einem starken zu einem leichten Stotterer entwickelt habe, und das ist viel mehr, als ich mit allen anderen Therapien erreicht habe, die ich vorher gemacht habe. Was nützen einem letztendlich vollmundige Werbesprüche und tolle Fernsehpräsentationen, wenn die Therapieerfolge bei fast allen Klienten bereits kurz nach Therapieende wieder verschwunden sind? «

 

Bernd Seiter, 2002 in der Mailingliste der Freunde der Kasseler Stottertherapie e.V.

» Kurz nach der K-S-T hab ich einen Job mit ausgeprägterem Kundenkontakt angetreten. Eines vorneweg:
Ohne die Therapie hätte ich mich wohl kehrwendend aus dem neuen Job verabschiedet. Die Kombination aus

  • Einarbeitung, sprich Anfänger mit recht wenig Ahnung,
  • Kunden, die natürlich gleich volles Know How verlangen, und
  • (noch) vorhandener Unflüssigkeiten bei "wenig auffälliger Sprechtechnik"

hätte mich insgesamt wohl schlicht und ergreifend überfordert. Mit der Therapie bewege ich mich derzeit im Limitbereich, also eine eindeutige Verbesserung. Eine doch positive Erfahrung ist, dass ich zumindest bei nicht allzu großem beruflichen Stress, auch im Kundengespräch, ein geführteres/gefühlteres Sprechen durchhalten kann. «

 

Michael Heeg, 2000bvss-list@hsp.de

» Hallo liebe Mitstotterer, für die, die es interessiert, berichte ich hier kurz von meinen Erfahrungen bei der "Kasseler Stottertherapie". Zunächst aber mal zu meiner Person.
Ich bin 28 Jahre alt und stottere seit meinem 8. Lebensjahr (ca.). Nach einigen "normalen" ambulanten logopädischen Therapien (1 x pro Woche 1 Stunde), die allesamt ohne Erfolg waren, bin ich schliesslich im Alter von ca. 19 Jahren bei Del Ferro in Amsterdam gelandet. Die Erfolge waren nur von kurzer Dauer, also: Nachbehandlungen und schliesslich 1-2 Jahre später noch einmal eine komplette Therapie (10 Tage). Wieder nur Kurzzeiterfolge. Irgendwann bin ich dann auf die A.L.T.-Therapie von Greifenhofer (in Paderborn) aufmerksam geworden. Die Therapie hat mir wesentlich besser als die von Del Ferro gefallen, die guten Erfolge waren aber wieder nur von kurzer Dauer. Auch eine kostenlose 5-tägige Nachbehandlung brachte wieder nur für kurze Zeit Sprachflüssigkeit. Nach all den Therapien hatte ich zunächst keine Lust mehr, irgendwas an meinem Stottern zu tun.
Durch einen Bekannten der ebenfalls Stotterer ist, bin ich schliesslich vor ca. 2 Jahren auf die "Kasseler Stottertherapie" aufmerksam geworden. Nach Teilnahme an einem Infotag, bei dem ich mich für die dort vorgetragene Sprechtechnik gar nicht so sehr begeistern konnte (ich war von den anderen Therapien schliesslich andere Versprechen wie "Heilung", "normales Sprechen" usw. gewohnt...), habe ich erst einmal wieder lange Zeit verstreichen lassen, bis der Leidensdruck groß genug war. Letztendlich habe ich die "Kasseler Stottertherapie" im November/Dezember 1999 absolviert.
Die Therapie besteht aus einem Intensivteil, der über einen Zeitraum von ca. 3 Wochen geht, und zwei Pflicht-Auffrischungskursen, die jeweils 3 Tage dauern. Die Teilnahme an weiteren Auffrischungskursen ist problemlos möglich. Die "Kasseler Stottertherapie" (KST) wird in Gruppen von ca. 10 Personen durchgeführt, was ich für einen sehr wichtigen Aspekt halte. Mit 9 anderen Leidensgenossen hält man so manche Sache durch, wo man sonst schon die Flinte ins Korn geworfen hätte ... Neben sehr vielen sprechmotorischen Übungen am PC (mit spezieller Software) fanden viele Transfer-Übungen sowohl in der Gruppe als auch "in freier Wildbahn" (in Einkaufszentren usw.) statt (war zum Teil recht spassig).
Den gesamten Therapieverlauf zu beschreiben, wäre hier etwas zu viel, deshalb jetzt das Fazit: Insgesamt war der Weg zur erreichten Sprechflüssigkeit über die KST etwas steiniger als bei den anderen Therapien. U.a. durch die auch zu Hause täglich durchgeführten Übungen am PC habe ich den Zustand der enormen Sprechflüssigkeit, den ich kurz nach der Therapie erreicht hatte, bis heute nahezu halten können. Neben den Auffrischungskursen in Kassel wird es (allem Anschein nach) in Kürze auch ein Netz von lokalen Übungsgruppen geben, an denen dann jeder KST-Klient teilnehmen kann. «

 

Peter Schneider

» Insgesamt ist die Therapie anstrengend aber abwechslungsreich. Aber abgesehen von Therapiekürzungen sind alle Späße erlaubt.
Alex ist auch jetzt immer ansprechbar. Auch während unserer Zeit kamen oft ehemalige Klienten vorbei, die uns sehr bestärkten.
Nun sind vier Wochen vergangen, und das tägliche Üben vertiefte die Sprechtechnik. Auch in Stress-Situationen blieb ich völlig flüssig, was ich nicht erwartet hatte. Ich bin zeitweise noch zu skeptisch, aber dann meist angenehm überrascht, wie gut es ging. Jedoch bestätigten alle bisher, daß der Erfolg direkt mit der Anwendung und dem Training zusammenhängt. Wendet man die Technik längere Zeit zu halbherzig an, so kommt nach einiger Zeit der tiefe Einbruch. Dies liegt ganz einfach daran, daß die alten Sprechmuster sehr tief verankert sind und durch die neue Technik nur überlagert werden. Dieses Überlernen ("Overlearning") hält nur kurze Zeit.
Alte Gewohnheiten sind eben sehr stark. «

 

Christian Pogoda, 1999

» ... Meine Sprechflüssigkeit hat sich durch die Therapie wesentlich verbessert. Insbesondere dienstliche Telefonate fallen mir wesentlich leichter als früher, ich fühle mich wesentlich ruhiger und angstfreier. Von vielen Leuten erhielt ich die positive Rückmeldung, daß meine Sprechweise angenehm klingt und Ruhe ausstrahlt. Dabei gelingt mir das Umsetzen der Technik nicht immer gleich gut. Ich habe aber festgestellt, daß sich schlechtere Phasen durch dann besonders intensives Üben am PC wesentlich abmildern lassen und letztlich zwar „Zwischentiefs“, aber keine dauerhafte Verschlechterung darstellen.
Ich halte die Kasseler Stottertherapie für eine sehr qualifizierte Methode, und möchte abschließend noch einmal die aus meiner Sicht gerade im Vergleich zu anderen Therapien besonders vorteilhaften Aspekte zusammenfassen:

  1. Sie beruht auf einem klaren, gut strukturierten Konzept, das relativ schnell gelernt wird und insbesondere stärker Stotternden schnell Erfolgserlebnisse bringt.
  2. Es werden frühzeitig vielfältige Gelegenheiten für die Übertragung in den Alltag gegeben (Heimfahrten, Angehörigennachmittag, Transfer)
  3. Durch das PC-Programm erhalten die Teilnehmer ein Instrument in die Hand, das sie auch nach der Therapie nutzen können, um den Therapieerfolg aufrecht zu erhalten. Zusammen mit den angebotenen Auffrischungskursen besteht ein umfangreiches Angebot an Therapienachsorge.

Insbesondere die Punkte 2 (Übertragung in den Alltag) und 3 (Nachsorge) sind von Bedeutung, denn daran scheitern viele Therapien. Deshalb sind aus meiner Sicht die Voraussetzungen für eine Aufrechterhaltung des Therapieerfolges bei der Kasseler Stottertherapie besser als bei allen anderen Therapien, die ich bisher kennengelernt habe. «